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ICAAT Musiktherapie

Fachbereich Musiktherapie

Die anthroposophische Musiktherapie gehört neben der therapeutischen Sprachgestaltung, dem therapeutischen Malen, Zeichnen und Plastizieren zu den Kunsttherapien der Anthroposophischen Medizin. Sie basiert auf einem erweiterten Menschenbild und geht auf Anregungen Rudolf Steiners zu einem vertieften Erleben und Verständnis der musikalischen Elemente zu Beginn des letzten Jahrhunderts zurück. Sie ist eng mit dem Entwicklungsimpuls des Instrumentes Leier verbunden. Gleichwohl reichen die Ursprünge des Heilens mit Musik bis weit in die vorchristliche Zeit zurück.

Die anthroposophische Musiktherapie wird sowohl aktiv als auch rezeptiv eingesetzt. Ziel ist die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Patienten. Indem er  in den musikalischen Prozess einbezogen wird, kann er zum Mitgestalter des Heilungsprozesses werden. Anthroposophische Musiktherapie kann auf allen vier Ebenen der menschlichen Wesenheit wirken und somit Körper, Lebenskräfte, Seele und Geistwesen des Menschen erreichen. Bei der Musiktherapie werden sowohl die menschliche Stimme als auch leicht spielbare Instrumente der verschiedensten Gattungen eingesetzt.

Musiktherapie ist bei fast allen Krankheiten – außer bei akuten Psychosen und hoch fieberhaften Erkrankungen anwendbar. Sie wirkt zum Beispiel harmonisierend, fördert die Durchwärmung und Vertiefung der Atmung, kann beruhigend oder belebend, aufbauend, strukturierend und stärkend sein, steigert die Konzentrationsfähigkeit und regt Selbstwahrnehmung, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen an. Für anthroposophische Musiktherapeuten gibt es vielfältige Berufsfelder: in Schulen und Kindergärten, in der Heilpädagogik und Sozialtherapie, in Kliniken, Sanatorien und Rehabilitationszentren, im Strafvollzug, in der Suchtbehandlung, in der Prävention und Gesundheitsförderung, bei Notfalleinsätzen, in der Flüchtlingsarbeit und in freier Praxis.

Die anthroposophische Musiktherapie ist ein Fachbereich der anthroposophischen Kunsttherapie, der in den Berufsverbänden der Kunsttherapien organisiert ist. Es gibt reichhaltige Literatur in Form von Veröffentlichungen und Forschungsarbeiten. Weltweit werden Veranstaltungen, Fortbildungen und Ausbildungen angeboten.

Bitte kontaktieren Sie den Berufsverband Ihres Landes um Therapeuten und Therapeutinnen in Ihrer Nähe zu finden.

Mehr zur Geschichte der anthroposophischen Musiktherapie:

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Musiktherapie
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Therapeutische Gesichtspunkte

"Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem, die Heilung eine musikalische Auflösung."
Novalis

Jeder Mensch ist einzigartig! Daher muss auch jede Therapie individuell abgestimmt sein auf den Menschen. Das Lebensalter, die Konstitution, das Geschlecht, das soziales Umfeld, die Lebensumstände und nicht zuletzt die konkrete Krankheit werden in der Therapie berücksichtigt. Daher sind die folgenden Darstellungen sehr allgemein gehalten und können nur grobe Anhaltspunkte sein, in welcher Richtung mit dem Patienten gearbeitet werden könnte. Wesentlich ist stets, dass der Therapeut mit dem Patienten in ein lebendiges Musizieren oder Zuhören kommt. Das Ziel ist dabei die Impulsierung von Entwicklungs- bzw. Heilungsprozessen, sodass es zu einer Harmonisierung der Leibesglieder kommt. Meist entsteht dabei etwas Neues, vorher nicht Geplantes.

Anthroposophische Musiktherapie arbeitet nicht mit elektronisch erzeugten Tönen, da sie die Ätherqualität der realen Musik in ihrer Wirksamkeit in den Therapieprozess einbezieht.

Die anthroposophische Musiktherapie wird auf ärztliche Verordnung hin erteilt, kann aber auch auf Wunsch des Patienten durchgeführt werden (Unterschiede in den Ländern berücksichtigen). Durch die Therapie soll der Mensch wieder Anschluss finden an die kosmischen Kräfte, aus denen heraus er gebildet wurde und die in ihm wirksam sind. Dass in den einzelnen Tönen, Intervallen und Tonfolgen diese Ordnungskräfte wirken, hat der Physiker Ernst Chladni in seinen beeindruckenden Studien gezeigt.

Die Musiktherapie setzt folgende Elemente gezielt ein:

  • Töne
  • Tonhöhe
  • Tonfolgen
  • Intervalle
  • Skalen
  • Rhythmen
  • Verschiedene Instrumente
  • Die menschliche Stimme

 

Der Therapeut erstellt am Anfang der Behandlung seine musiktherapeutische Diagnose, aus der er den Menschen unter menschenkundlichen Gesichtspunkten anschaut und die Elemente des Therapieprozesses so zusammenstellt, dass Einseitigkeiten oder Krankheitstendenzen harmonisiert werden können.

Wichtig in der Therapie ist eine therapeutische Komposition, die speziell für den Patienten erstellt wird, um ihn in seiner jetzigen Krankheitssituation zu erreichen und ihm eine ganz individuelle Hilfe zu geben.

Der Wechsel von aktivem Musizieren und rezeptivem Lauschen ist in der Therapiesitzung wesentlich. Die Ichaktivität des Patienten wird stets angesprochen: Er trägt seinen Rhythmus durch, führt seine Stimme vom Anfang bis zum Ende einer Melodie oder findet den richtigen Rhythmus im schwingenden Begleiten eines Liedes und trägt damit zu seiner Gesundung bei. Auch ein Patient, dessen Gesundheitszustand es nicht zulässt, dass er selber tätig ist, bringt eine innere Aktivität auf und kann so auch zum Mitgestalter der Therapie werden.

Mehr zur Wirksamkeit der musikalischen Elemente:

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Die Wirkung der Musiktherapie auf den Atem, nicht nur im Gesang, sondern auch im Schwingen oder Streichen eines Instrumentes ist wesentlich im Therapieprozess. Der Weg vom Hören zum aktiven Lauschen, das Nachlauschen sowie das Nachwirkenlassen sind weitere Elemente in der Therapie und haben ihren Quellpunkt in der Stille. Diese hat eine große Bedeutung, die nicht unterschätzt werden darf.

So wirken in der Musiktherapie stets die Instrumente oder die Stimme in Verbindung mit den verschiedenen musikalischen Elementen von Melodie – Harmonie – Rhythmus sowie dem gezielten Einsatz der weiter oben dargestellten Elemente. Sie bewirken nicht nur auf der Befindlichkeitsebene eine Lösung von Verspannungen seelischer Art, eine Verbesserung der Durchwärmung, Vertiefung der Atmung, Anregung der Verdauungstätigkeit, Harmonisierung des Bewegungsflusses, Durchseelung des Bewegungsstromes und Verbesserung der inneren Aufrichte, sondern entfalten auch bis in die Organtätigkeit hinein ihre Wirkung.

Indikationen

Musiktherapie ist in jeder Altersstufe möglich und heilsam. Sie kann bei fast allen Krankheiten und Krisen seelisch-geistiger oder körperlicher Natur eingesetzt werden, wie zum Beispiel

  • In der Begleitung von Schwangeren (unter anderem bei frühzeitige Wehen)
  • Bei Frühgeborenen
  • Um Kindern eine Inkarnationshilfe zu geben
  • Bei Entwicklungshemmnissen und -störungen
  • zur Sprachanbahnung
  • In der Pubertät bei Essstörungen sowie bei anderen Krisen der Jugendzeit
  • In der Palliativ Care
  • In der Sterbebegleitung
  • Zur Verarbeitung von Trauer
  • Bei Schlafstörungen
  • Bei Schmerzzuständen
  • Bei Traumatischen Erfahrungen
  • Bei Störungen des Sozialverhaltens
  • Bei Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Bei Herz- und Kreislauferkrankungen
  • Bei entzündlichen Erkrankungen
  • Bei Atemwegserkrankungen
  • Bei Verdauungsproblemen und Erkrankungen der Verdauungsorgane
  • Bei organischen Beschwerden durch Funktionsstörungen von Niere, Leber, Lunge, Milz oder Galle sowie den Erkrankungen dieser Organe
  • Bei Karzinombildungen
  • Bei chronischen Beschwerden
  • Bei Erschöpfung und in der Rekonvaleszenz
  • Bei Rheumatischen Erkrankungen
  • Bei Angststörungen, Zwangserkrankungen, Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen
  • Bei dementiellen Erkrankungen
  • Bei Erkrankungen des Nervensystems
    • In der Heilpädagogik
    • Bei tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, z.B. aus dem autistischen Formenkreis
    • Bei epileptischen Erkrankungen
    • Bei genetisch bedingten Erkrankungen
    • Bei Schwerhörigkeit und Taubheit
    • Bei konstitutionell bedingten Störungen (neurasthenische oder hysterische Phänomene)

Kontraindikationen:

  • Akute Psychose
  • Hoch fieberhafte Erkrankungen