Therapien - Plastizieren

Kurzinfo

„Wir müssen also, wenn wir die Gesetze der Skulptur suchen, uns klar sein darüber, dass sie die Gesetze unseres Ätherleibes sind. Der Ätherleib ist vor allen Dingen ein Kräfteleib. Sein Wesentliches ist das Zyklische, das Rhythmische, das in der Zeit Ablaufende. Einen räumlichen Charakter trägt der Ätherleib nur dadurch, dass er den physischen Leib ausfüllt.“
Rudolf Steiner GA 275



Therapeutisches Plastizieren ist eine Kunsttherapie und eine Therapiemethode der Anthroposophischen Medizin. Sie dient dem Entwicklungsweg zu menschlicher Freiheit und Gesundung durch die Ansprache und Beeinflussbarkeit der Seelenkräfte Denken, Fühlen und Wollen.

ICAAT Therapien Plastizieren

Ziel ist, ein größtmögliches Maß an Selbstregulation und Freiheit im Alltag zu ermöglichen und Ressourcen zu aktivieren. 
Der therapeutische Ansatz ist handlungs- und erlebnisorientiert im Rahmen der bildenden Kunst. Durch imaginative Anregungen, sinnliche Eindrücke, Körperwahrnehmung, Gefühle und Gedanken entstehen Handformen, Plastiken und Reliefs.

Diagnostik und Interventionen orientieren sich an der Menschenkunde von Rudolf Steiner und der Phänomenologie Goethes. Körper, Leben, Seele und Geist der gesunden und erkrankten Persönlichkeit werden anerkannt und einbezogen. Anthroposophische Kunsttherapie stellt sich daher ganz auf die Bedürfnisse des Menschen ein.

So kann seelische Wirkung durch künstlerisches Tun bis in die Physiologie hinein wirken: Erstarrtes wird beweglicher und lebendiger, Chaotisches wird eingebunden und beruhigt. Da der künstlerische Prozess mit menschlichen Lebensprozessen wie Suchen, Experimentieren, Wagen, Umwerfen, Neuanfang, Verinnerlichen, Wahrnehmen und Tätigsein einhergeht, wirkt er gesundheitsfördernd und unterstützend.

Therapeutisches Plastizieren wird stationär und ambulant angeboten in Therapeutika, Kliniken, Rehabilitationszentren, heil- und sonderpädagogischen Institutionen, sozialtherapeutischen Einrichtungen, im Strafvollzug sowie im Rahmen internationaler Notfall-Katastrophenhilfe-Einsätze.

In einigen europäischen Ländern übernehmen Krankenkassen die Kosten ärztlich verordneter Kunsttherapie. Die nationalen Berufsverbände und Therapeuten geben gerne Auskunft.

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Wirksamkeit

Wirkungen und Wirksamkeit künstlerischer Therapie beruhen auf jahrzehntelange Empirie, zu der in den letzten Jahren die akademische Forschung Bestätigung und Differenzierung brachte. Grundlegend ist dabei die Erkenntnis, dass die Prozesse und Gesetze der kulturschaffenden Kunst durch den Menschen (wie Architektur, Skulptur, Malerei, Musik, Gesang, Dichtung) auf diesen zurückwirkt, da er aus ähnlichen Prozessen und Gesetzen erschaffen ist: wie aufrichtender Knochenbau, rhythmisch tätiger Organismus, farbennahe Seelenstimmungen, musikalische Objektivität und geistvoller Selbstausdruck.


Der plastizierende Mensch erlebt sich besonders intensiv in seiner Leiblichkeit und Handlungsfähigkeit. Das Kneten und Formen ist eine Kraftanstrengung, die körperlicher Arbeit entspricht. Materie wird bewegt und Wärme entsteht, Wohlgefühl und Lebensfülle können dabei empfunden werden. 
Schon vom Betrachter werden unwillkürlich seelische Gesten von plastisch dargestellten Menschen und Tieren bis ins Körperliche nachempfunden: man denke an die leicht schreitende Aufrechte einer Wasserträgerin, an die Schwere eines schlafendes Tieres, an die rhythmischen Schwünge eines fließenden Wasserstromes. Ist man selber der Plastizierende, ist volles seelisches Einfühlungsvermögen mit der formenden Hand zusammenzuführen, um dem kalten ungeformten Ton einen lebendigen bewegten Ausdruck zu verleihen. Gelingt dies, wird der Ton mit den Händen warm und geschmeidig, der Plastizierende ist bis in die Fingerspitzen gut durchblutet. Er fühlt sich tatkräftig und ist mit seiner seelischen Wahrnehmung ganz auf den Ausdruck der Plastik konzentriert. Der Kopf wird frei und ist an den konkreten gegenwärtigen Moment gebunden.

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Das plastische Material hält es aus, wenn Kraft und Wut ausgelassen werden, immer von neuem bewegt und verändert wird. Aber auch kleinste Handformen entstehen leise, warm und vorsichtig in zwei Händen. Wenn Kinder tonen, zeigen sich ganze Landschaften, Schiffe, Tier- und Menschengruppen, die bespielt und verändert werden. Oder im nassen, ganz weichen Ton werden die Hände vergraben und ganz als basaler Sinneseindruck genossen.

Anwendungsbeispiele

Das therapeutische Plastizieren ist für Kinder und Erwachsene geeignet. Die inkarnierende Wirkung des Plastizierens wirkt besonders bei Lockerungszuständen, Angst und Unruhe. Bei Kindern und Jugendlichen können Entwicklungsschritte angeregt und unterstützt werden. Sowohl bei psychosomatischen als auch bei psychiatrischen Erkrankungen kann das Erleben und Achten der eigenen Körperlichkeit beim Plastizieren wohltuend sein und die Integrität von Vorstellen, Fühlen und Handeln stärken.


Strukturieren, Formkraft anregen, sich ordnen durch
Platonische Körper, Kugel, Oberflächen glätten, große Plastiken, Flechtmotive im Relief

Licht und Leichte anregen durch
Senkrechte Plastiken z.B. menschliche Gestalt, Gefäße

Eigenschaften seelischer Gesten erforschen durch
Darstellung von Tieren jeglicher Art und Haltung , Menschengruppen, Tiergruppen

Schwere, zur Ruhe kommen durch
Schlafende Tierformen, Töpfe, Kopieren nach Barlach, Moore, Michelangelo

Bewegung, Umwandlung durch
Metamorphose-Reihen, Strömungsformen im Relief

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Ton ist sehr vielfältig einsetzbar: Der Prozess kann entweder begrenzend, durchlichtend, gliedernd und formend wirken oder belebend, bewegt und dynamisch-phantasievoll. Im Konkreten enstehen dann Plastiken, deren plastische Qualität sich zum Beispiel symmetrisch geordnet oder rhythmisch sich wandelnd oder phantasievoll-chaotisch zeigt.   
Außer Tonerde können auch Bienenwachs, Stein und Holz Verwendung finden.

 

Indikationen

Die Erfahrung von Ausdrucksmöglichkeit und Gestaltbarkeit erleichtert und stärkt häufig im Umgang mit biographischen Krisen und Krankheit. 
Indikationen und Kontraindikationen leiten sich, neben der klinischen oder psychotherapeutischen Diagnostik, von der kunsttherapeutischen Diagnostik ab. Für die Durchführung des Therapeutischen Plastizierens ist die Bereitschaft zum künstlerischen Gestalten Voraussetzung. Kontraindiziert wäre die künstlerische Therapie demnach bei mangelnder Bereitschaft oder körperlichen Schwächezuständen. Bei akuten oder posttraumatischen Belastungsstörungen kann Kunsttherapie bei einem in diesem Bereich ausgebildeten Therapeuten hilfreich und unterstützend sein. 
Positive Erfahrungen liegen für folgende Störungsbereiche vor:



Psychische Erkrankungen

Hirnorganische und neurologische Erkrankungen

Psychosomatische Erkrankungen

Körperliche Erkrankungen

Im Einbezug der ergänzenden vier- und dreigliedrigen Wesensgliederdiagnostik nimmt der Kunsttherapeut bei jeder Ekrankung eine Köper-Seele-Geist Beteiligung an.

 

Ausbildung

Die Ausbildung zum/zur Anthroposophischen Kunsttherpeuten(-in) erfolgt berufsbegleitend oder als Vollzeitstudium an privaten oder staatlichen Universitäten, Fachhochschulen und Ausbildungsstätten mit verschiedenen Ansätzen. In der Schweiz ist der Berufstitel durch eine staatlich geregelte Höhere Fachprüfung rechtlich geschützt; in Deutschland und Holland gibt es staatlich anerkannte Bachelor- und Masterabschlüsse. Die meisten Aus- und Weiterbildungsstätten arbeiten auf privatrechtlicher Grundlage, deren Qualität im Sinne der 
Selbstverwaltung entwickelt wird. Sie können die Akkreditierung der Medizinischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach/CH erlangen.


Spezifische Methoden des Therapeutischen Plastizierens

Es gibt viele Möglichkeiten und Techniken des Therapeutischen Plastizierens, die ihre Wirkung entfalten. Einige von ihnen werden intensiv von einzelnen Kunsttherapeuten über jahrelange praktische Erfahrung konkretisiert und als eigene Methode etabliert. Schicken Sie uns gerne weitere Ihnen bekannte Methoden des Therapeutischen Plastizierens zu. Sie können hier dargestellt werden.

You-Tube Video Link

über Therapeutisches Plastzieren im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe mit Peter Bläsi