Therapien - Musik

Die anthroposophische Musiktherapie gehört neben der therapeutischen Sprachgestaltung, dem therapeutischen Malen, Zeichnen und Plastizieren zu den Kunsttherapien der Anthroposophischen Medizin. Sie basiert auf einem erweiterten Menschenbild und geht auf Anregungen Rudolf Steiners zu einem vertieften Erleben und Verständnis der musikalischen Elemente zu Beginn des letzten Jahrhunderts zurück. Sie ist eng mit dem Entwicklungsimpuls des Instrumentes Leier verbunden. Gleichwohl reichen die Ursprünge des Heilens mit Musik bis weit in die vorchristliche Zeit zurück.

Musiktherapie wird sowohl aktiv als auch rezeptiv eingesetzt. Ziel ist die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Patienten. Indem er in den musikalischen Prozess einbezogen wird, kann er zum Mitgestalter des Heilungsprozesses werden. Anthroposophische Musiktherapie kann auf allen vier Ebenen der menschlichen Wesenheit wirken und somit Körper, Lebenskräfte, Seele und Geistwesen des Menschen erreichen.
Bei der Musiktherapie werden sowohl die menschliche Stimme als auch leicht spielbare Instrumente der verschiedensten Gattungen eingesetzt.

ICAAT Therapien Musik

Musiktherapie ist bei fast allen Krankheiten – außer bei akuten Psychosen und hoch fieberhaften Erkrankungen anwendbar. 
Sie wirkt zum Beispiel harmonisierend, fördert die Durchwärmung und Vertiefung der Atmung, kann beruhigend oder belebend, aufbauend, strukturierend und stärkend sein, steigert die Konzentrationsfähigkeit und regt Selbstwahrnehmung, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen an.
Für anthroposophische Musiktherapeuten gibt es vielfältige Berufsfelder: in Schulen und Kindergärten, in der Heilpädagogik und Sozialtherapie, in Kliniken, Sanatorien und Rehabilitationszentren, im Strafvollzug, in der Suchtbehandlung, in der Prävention und Gesundheitsförderung, bei Notfalleinsätzen, in der Flüchtlingsarbeit und in freier Praxis.


Die anthroposophische Musiktherapie ist ein Fachbereich der anthroposophischen Kunsttherapie, der in den Berufsverbänden der Kunsttherapien organisiert ist. Es gibt reichhaltige Literatur in Form von Veröffentlichungen und Forschungsarbeiten. Weltweit werden Veranstaltungen, Fortbildungen und Ausbildungen angeboten.

Geschichte

Bereits im alten Testament finden wir David, der mit seinem Saitenspiel König Saul, der von einem bösen Geist geplagt war, besänftigte und letztendlich heilen konnte. Im griechischen Altertum wusste man, dass mit Hilfe von Musik die geistige und seelische innere Harmonie eines kranken Menschen wieder hergestellt werden kann. (Beat Böhm, Heilende Musik im griechischen Altertum, Thieme Verlag, 1958) Außerdem wurden die Tonarten bei den Griechen gezielt eingesetzt, um moralische wie medizinische Wirkung zur erreichen (s. Kolisko).

Plato und Aristoteles beschreiben nicht nur die Heilkraft der Musik, sondern auch ihre pädagogische Wirksamkeit als Mittel zur Erziehung des Menschen. Aus nachchristlicher Zeit ist überliefert, dass Musik (das Vorsingen) gegen Depression und Wahnsinn erfolgreich eingesetzt wurde. Auch arabische Gelehrte berichten im 9. Jahrhundert über die heilende Wirkung von Musik und im 13. Jh. waren im Krankenhaus von Kairo Musiker angestellt, um die schlaflosen Patienten nachts zu trösten. Im 15./16. Jahrhundert (Renaissance) wird erstmals das aktive Singen und Leierspiel bei melancholischen Patienten erwähnt und die Empfehlung ausgesprochen, Musik als Heilmittel gegen die Pest und andere Epidemien einzusetzen. In der Romantik wandelte sich das medizinische Bezugssystem der Musik zum psychologisch ausgerichteten. Im 18. Jh. beschreibt Seguin (vgl. Beilharz In: Beilharz (Hg.)) die stimulierende Wirkung bei Menschen mit so genannter geistiger Behinderung und Heller (s. ebd.) spricht Anfang des 20. Jahrhunderts über die „erhebende“ Wirkung der Musik. Die anthroposophische Musiktherapie geht nicht auf eine Gründungspersönlichkeit zurück, sondern ist vielmehr im Kontext zu sehen mit der Entfaltung der anthroposophischen Bewegung und dem Gedankengut Rudolf Steiners. In seinen Schriften, überwiegend in den 1924 gehaltenen Vorträgen über Sprachgestaltung, Malerei, Pädagogik und religiöse Fragen, über Ton-Eurythmie (GA 278) und Musik (GA 283) sind vielfältige Angaben zu einem vertieften Tonerleben, zu Intervallen, zu den musikalischen Elementen wie z.B. Melodie, Harmonie, Rhythmus und Takt, zu Dur und Moll, zur Entwicklung der Musik in den Kulturepochen sowie musikalische Anregungen für den Einsatz im pädagogischen Kontext zu finden. Die Anfänge der anthroposophischen Musiktherapie sind eng verknüpft mit der Entwicklung der heilpädagogischen Bewegung. Vom Beginn der anthroposophischen Heilpädagogik an hatte die Musik einen hohen Stellenwert. Sie wurde nicht nur im Unterricht mit den Kindern und Jugendlichen eingesetzt, sondern auch in der rhythmischen Gestaltung des Tages-, Wochen- und Jahreslaufs, um ein harmonisierendes Lebensmilieu für die Betreuten zu schaffen (vgl. Beilharz auf www. anthromedia.net).

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In den ersten heilpädagogischen Heimen Pilgramshain in Schlesien (Deutschland, heute Polen), und Sonnenhof in Arlesheim bei Basel (Schweiz) wurde bereits in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts musiktherapeutisch gearbeitet. Karl König (1902 – 1966), der zunächst nach Abschluss seines Medizinstudiums 1927 für ein Jahr am Klinisch-Therapeutischen Institut Ita Wegmans in Arlesheim arbeitete und 1928 als leitender Arzt nach Pilgramshain ging, um dann 1939 die Camphill-Bewegung in Schottland zu begründen, hat sich sehr früh mit der therapeutischen Wirkung von Musik auseinandergesetzt und z.B. Gruppentherapien unter Einbeziehung von farbigem Licht und Eurythmie entwickelt. Es gab auch vereinzelt Einzelmusiken, z.B. um epileptische Kinder mit Weckmusik anfallsfrei in den Tag hinüberzuführen. Bis durch Edmund Pracht 1926 die erste Leier entstand, wurden im klinischtherapeutischen Institut in Arlesheim, das Ita Wegman leitete, zunächst noch die klassischen Instrumente wie Klavier, Geige, Cello, Schlaginstrumente oder Flöten verwendet. Da Pracht für die Kinder zur Eurythmiebegleitung das Klavier als nicht stimmig empfand, entwickelte er die Leier, die von da an auch im Spiel für Erwachsene eingesetzt wurde. Edmund Pracht, der Musiker war, hat die Leier in Zusammenarbeit mit Lothar Gärtner, der als junger Plastiker im Umkreis des Goetheanums tätig war, neu geschaffen. Es handelte sich dabei nicht um die Nachbildung oder Weiterentwicklung der antiken Instrumente Lyra oder Kithara, sondern sie wurde aus neuen Form- und Klangvorstellungen heraus geschaffen, in dem Bestreben, die Elemente des Tones zu erfassen. Die Intention Prachts war dabei keine primär therapeutische, sondern eine allgemein musikalische (vgl. ebd.). Während in den 30er und 40er Jahren vor allem der musikalisch-heilpädagogische Kulturimpuls konsolidiert und weiterentwickelt wurde, folgte in den 50er Jahren eine weitere Ausarbeitung der musiktherapeutischen Ansätze der Anfangszeit (vgl. anthromedia.net). Als Dr. König von Schottland aus nach Südafrika ging, hat er die weitere Erforschung der Wirkung von Musik in die Hände von Dr. Hans-Heinrich Engel gelegt, dessen musikalische Anthropologie die Grundlage der musiktherapeutischen Ausbildung in der Schweiz darstellt.

Ab 1963 erfuhr die von Dr. König initiierte musiktherapeutische Arbeit durch das Zusammenwirken mit Dr. Engel und dem Musikwissenschaftler Prof. Dr. Hermann Pfrogner eine neue Belebung. Er und seine Mitarbeiter entwickelten vor allem Gruppentherapien für Kinder mit bestimmten heilpädagogischen Krankheitsbildern.

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Heileurythmische Elemente oder farbiges Licht wurden einbezogen. Es bildete sich außerdem ein Kreis von Menschen, die musiktherapeutisch forschten. Die von diesen drei Persönlichkeiten ins Leben gerufene internationale Studiengruppe, der neben Johanna Spalinger und Maria Schüppel auch Ärzte, Heilpädagogen und Musiker angehörten, bestand nur wenige Jahre, hat jedoch die anthroposophische Musiktherapie bis in die Gegenwart hinein stark geprägt. Sie erforschten die Wirkung der musikalischen Elemente, dass sie - wie bei einer medikamentösen Behandlung – als „Wirkstoff“ wohl dosiert eingesetzt werden können.  Seit den 50er Jahren entwickelte Julius Knierim als Lehrer und Musiker eine andere Art von musiktherapeutischer Tätigkeit, in der er die persönlichkeitsstärkenden und seelisch ordnenden Kräfte der künstlerischen Tätigkeit stärken wollte und im Sinne der Salutogenese nicht zuletzt durch das Improvisieren heilend wirken wollte. Knierim hat zudem entscheidende Impulse für eine Weiterentwicklung des Spielansatzes auf der Leier gegeben, indem er durch die Tonbildung zwischen rechter und linker Hand der Leier als „Instrument der Mitte“ eine neue Bedeutung verlieh. (Beilharz In: Beilharz (Hg.)). Durch Norbert Visser führte in den 80er Jahren der Impuls des Choroi-Musikinstrumentenbaus zur Entwicklung neuer, leicht spielbarer Instrumente, die sich sowohl im gemeinsamen improvisatorischen Spiel als auch in der Therapie einsetzen lassen. Diese Instrumente werden ausschließlich in sozialtherapeutischen Werkstätten produziert, in denen Menschen mit so genannter Behinderung arbeiten (s. Beilharz In: Beilharz (Hg.)). Kurzbiografien der musiktherapeutischen Pioniere finden sich auf der Website www.musik-therapie-anthroposophisch.de

Damit liegen die Anfangsimpulse der anthroposophischen Musiktherapie in der Heilpädagogik und wurde von den Ärzten Dr. Karl König und Dr. Hans-Heinrich Engel inspiriert und entscheidend weiterentwickelt. Von beiden Persönlichkeiten wurde Musik als Medikament eingesetzt, das bis ins Organische hinein seine Wirksamkeit entfalten kann. 

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Es scheint so, dass Musik, Religion und Heilkunst, die in alten Zeiten eng miteinander verbunden waren und im Laufe der Jahrhunderte getrennte Entwicklungswege gingen, durch die anthroposophisch-musiktherapeutische Arbeit wieder zusammenwachsen. Als Ausbildungsstätten wurde 1963 die Musiktherapeutische Arbeitsstätte von Maria Schüppel in Berlin (Deutschland) gegründet und war damit die allererste anthroposophisch musiktherapeutische Ausbildung. 1970 wurde aus dem Choroi-Impuls heraus durch Julius Knierim, Johanna Spalinger und andere die Freie Musikschule am Michaelshof in Hepsisau (bei Stuttgart in Deutschland) als Wanderstudium gegründet. Die seit 1983 an der von Eva Mees in Driebergen (Niederlande) gegründeten Academie De Wervel angebotene Ausbildung zum anthroposophischen Musiktherapeuten wird seit 2006 in der Hogeschool Leiden im Rahmen der Kunsttherapien als Ausbildungsgang angeboten. 1997 entstand die Orpheus-Schule für Musiktherapie in Bern (Schweiz), Gründungsmitglieder waren Johanna Spalinger, Dr. Heinrich Schneider und Marlise Maurer. Es folgte 2001 die Dorian School of Music Therapie, die von Christof-Andreas Lindenberg in Glenmoore, PA, USA gegründet wurde.

Arbeits- und Wirkungsweise

Therapeutische Gesichtspunkte



"Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem, 
die Heilung eine musikalische Auflösung."

Novalis



Jeder Mensch ist einzigartig! Daher muss auch jede Therapie individuell abgestimmt sein auf den Menschen. Das Lebensalter, die Konstitution, das Geschlecht, das soziales Umfeld, die Lebensumstände und nicht zuletzt die konkrete Krankheit werden in der Therapie berücksichtigt. Daher sind die folgenden Darstellungen sehr allgemein gehalten und können nur grobe Anhaltspunkte sein, in welcher Richtung mit dem Patienten gearbeitet werden könnte. Wesentlich ist stets, dass der Therapeut mit dem Patienten in ein lebendiges Musizieren oder Zuhören kommt. Das Ziel ist dabei die Impulsierung von Entwicklungs- bzw. Heilungsprozessen, sodass es zu einer Harmonisierung der Leibesglieder kommt. Meist entsteht dabei etwas Neues, vorher nicht Geplantes. 


Anthroposophische Musiktherapie arbeitet nicht mit elektronisch erzeugten Tönen, da sie die Ätherqualität in ihrer Wirksamkeit in den Therapieprozess einbezieht.



Die anthroposophische Musiktherapie wird auf ärztliche Verordnung hin erteilt, kann aber auch auf Wunsch des Patienten durchgeführt werden. Durch die Therapie soll der Mensch wieder Anschluss finden an die kosmischen Kräfte, aus denen heraus er gebildet wurde und die in ihm wirksam sind. Dass in den einzelnen Tönen, Intervallen und Tonfolgen diese Ordnungskräfte wirken, hat der Physiker Ernst Chladni in seinen beeindruckenden Studien gezeigt. 


Die Musiktherapie setzt folgende Elemente gezielt ein:


  • Töne

  • Tonhöhe

  • Tonfolgen
  • Intervalle 

  • Skalen

  • Rhythmen

  • Verschiedene Instrumente

  • Die menschliche Stimme



Der Therapeut erstellt am Anfang der Behandlung seine musiktherapeutische Diagnose, aus der er den Menschen unter menschenkundlichen Gesichtspunkten anschaut und die Elemente des Therapieprozesses so zusammenstellt, dass Einseitigkeiten oder Krankheitstendenzen harmonisiert werden können.

Wichtig in der Therapie ist eine therapeutische Komposition, die speziell für den Patienten erstellt wird, um ihn in seiner jetzigen Krankheitssituation zu erreichen und ihm eine ganz individuelle Hilfe zu geben.


Der Wechsel von aktivem Musizieren und rezeptivem Lauschen ist in der Therapiesitzung wesentlich. Die Ichaktivität des Patienten wird stets angesprochen: Er trägt seinen Rhythmus durch, führt seine Stimme vom Anfang bis zum Ende einer Melodie oder findet den richtigen Rhythmus im schwingenden Begleiten eines Liedes und trägt damit zu seiner Gesundung bei. Auch ein Patient, dessen Gesundheitszustand es nicht zulässt, dass er selber tätig ist, bringt eine innere Aktivität auf und kann so auch zum Mitgestalter der Therapie werden.

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Die therapeutischen Elemente in ihrer Wirksamkeit



  • Neben der üblichen Stimmung von 440 Hertz wird in der anthroposophischen Musiktherapie die tiefere Stimmung von 432 Hertz verwendet. Diese tiefere Stimmung hat auch ätherische Auswirkungen.


  • Jeder einzelne Ton kann durch seine Beziehung zur Siebenheit bzw. Zwölfheit des Kosmos eine Wirkung entfalten


    • So werden die sieben Planetenqualitäten in den Tönen der Oktave wirksam und können Organprozesse unterstützen

    • Die Zwölfheit ist in ihrer Beziehung zu den Sinnesprozessen abgebildet und erlebbar, so dass man z.B. einen Ton als „Sinnestor" zum Ansprechen einer Sinnesfunktion, z.B. des Gedankensinnes, wählen kann, um dann von da aus mit Intervallen die jeweiligen Lebensprozesse (s.u.) anzusprechen



  • Durch gezielte Auswahl der jeweilige Tonhöhe, in der wir mit dem Patienten musizieren, erreichen wir die verschiedenen Wesensglieder.


  • Die Intervalle bilden zum einen das Verhältnis des Menschen zur ihn umgebenden Welt ab, zum anderen können sie durch ihre vielfältigen Beziehungen zum Ätherischen des Menschen auf verschiedenen Ebenen eingesetzt werden


    • So kann sich z.B. der Mensch geborgen fühlen, wenn ich ihn mit der Quint umgebe, während er seine Körpergrenze in der Quart spüren kann oder seinen inneren Seelenraum betritt, wenn die Terz erklingt. In der Septim kann er ein Außer-sich-Sein erleben, in der Oktave hingegen die innere Aufrichtekraft

    • Die Wirksamkeit des Ätherischen in Form von Lebensprozessen, inneren Lebensbewegungen und Lebensstufen drückt sich ebenfalls in Intervallen aus und kann durch diese angeregt werden



  • Die verschiedenen Skalen – die pentatonische, die hexatonische und die Spiegelskalen, die Modi, die Kadenz sowie Dur und Moll – basieren auf der Verbindung der sieben Planetentöne mit den zwölf Tierkreistönen. Jede von ihnen hat eine ganz andere therapeutische Wirkung, weil sie jeweils etwas anderes im Menschen anspricht. Sehr deutlich ist bei einer Durstimmung der frische, aufmunternde, Gesundheit ausstrahlende Charakter erlebbar, während es bei einer Mollstimmung eher der in sich gekehrte, empfindsame, verlangsamte, leidende Charakter sein wird.

  • Die Rhythmen können belebend oder beruhigend, harmonisierend oder stärkend wirken. Der Daktylos (- v v) z.B. hat durch seinen fallenden Charakter eine beruhigende, Gedanken befestigende Wirkung und ist im Gegensatz zum Trochäus (- v ) ausgeglichener, während der Anapäst (v v -) durch seinen belebenden Charakter das Gefühl befestigt und nicht so stark aufweckend wirkt wie der Jambus (v - ).


  • Die Instrumente sind bei der aktiven Musiktherapie stets leicht spielbar und trotzdem klangvoll. Das Instrumentarium ist meist wenig bekannt, da etliche Instrumente im Zusammenhang mit dem anthroposophischen Musikimpuls neu entwickelt wurden. Dabei werden auch die Planetenmetalle als therapeutische Qualität einbezogen. Die einzelnen Instrumente sollen am Ende dieses Kapitels vorgestellt werden. Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen. 
So, wie im Menschen als dreigliedrigem Wesen Nerven-Sinnes-System, Rhythmisches System und Stoffwechsel-Gliedmaßen-System als getrennte Systeme ineinander wirken, lassen sich auch die verschiedenen Instrumente in ihrer heilsamen Wirksamkeit diesen drei Bereichen zuordnen.

    • Die Blasinstrumente korrespondieren mit dem Kopfbereich des Menschen
    • Die Saiten- und Zupfinstrumente korrespondieren mit dem mittleren Menschen und wirken im rhythmischen System
    • Die Schlaginstrumente wirken im Stoffwechselbereich des unteren Menschen 

Es gibt Instrumente mit „warmem“, dumpfem Klang, die „einhüllend“ wirken und andere mit hellem, klarem Klang, die strukturierend wirken.

Es gibt es in jeder Instrumentengruppe erwärmende (im Krankheitsfall ist es die Entzündung)oder strukturierende (im Krankheitsfall ist es die Verhärtung) Instrumente.


Spreche ich z.B. im „oberen“ Menschen den Kopf-Pol an, so kann ich auf Gedanken sturkturierend, belebend und ordnend wirken, wenn ich die Blasinstrumente verwende. Wenn ich Instrumente mit einem „warmen“ Ton auswähle, wie z.B. das Gämshorn, so kann damit auch auf „kalte“ Kopfkrankheiten gewirkt werden. Will ich im Kopfbereich Entzündungstendenzen eindämmen, so wähle ich ein Blasinstrument mit einem klaren, hellen Ton, wie z.B. eine Silber- oder Sopranflöte.
Wende ich mich an den „unteren“ Menschen, so kann ich seinen Stoffwechsel anregen oder beruhigen. Die Verdauungskräfte werden unterstützt durch den Einsatz von tiefen, „warm“ klingenden Instrumenten wie z.B. der Tenorchrotta oder der Indianertrommel. Auch Glockenspiele wirken in diesem Bereich. Allergiebedingte Unverträglichkeiten können ebenfalls durch die gezielte Ansprache des Stoffwechselbereichs ausgeglichen werden. 
Das Instrumentarium, das die Kräfte des mittleren Menschen anregt und ihn im rhythmischen System harmonisiert, besteht vor allem aus der Leier und den mit ihr verwandten Saiteninstrumenten, aber auch alle schwingenden Instrumente wie Gongs, Handglocken und Röhrenglocken gehören dazu. Gerade die Stärkung der Rhythmischen Organisation des Menschen kann gesundheitliche Einseitigkeiten ausgleichen, so dass weder die Kopfkräfte zu tief eingreifen, noch die Kräfte des Stoffwechselmenschen „heraufschlagen“. Die Bordunleier kann in wunderbarer Weise Oben und Unten des Menschen zusammenfügen – so dass sie wieder ineinandergreifen können.



  • Das Singen nimmt eine Sonderstellung ein, weil es allein schon durch die aktive Beteiligung des Menschen in allen drei Bereichen gesundend wirkt. Gezielte Übungen verstärken die intendierte Wirkung.



Die Wirkung der Musiktherapie auf den Atem, nicht nur im Gesang, sondern auch im Schwingen oder Streichen eines Instrumentes ist wesentlich im Therapieprozess. 
Der Weg vom Hören zum aktiven Lauschen, das Nachlauschen sowie das Nachwirkenlassen sind weitere Elemente in der Therapie und haben ihren Quellpunkt in der Stille. Diese hat eine große Bedeutung, die nicht unterschätzt werden darf.



So wirken in der Musiktherapie stets die Instrumente oder die Stimme in Verbindung mit den verschiedenen musikalischen Elementen von Melodie – Harmonie – Rhythmus sowie dem gezielten Einsatz der weiter oben dargestellten Elemente. Sie bewirken nicht nur auf der Befindlichkeitsebene eine Lösung von Verspannungen seelischer Art, eine Verbesserung der Durchwärmung, Vertiefung der Atmung, Anregung der Verdauungstätigkeit, Harmonisierung des Bewegungsflusses, Durchseelung des Bewegungsstromes und Verbesserung der inneren Aufrichte, sondern entfalten auch bis in die Organtätigkeit hinein ihre Wirkung.

Indikationen

Musiktherapie ist in jeder Altersstufe möglich und heilsam. Sie kann bei fast allen Krankheiten und Krisen seelisch-geistiger oder körperlicher Natur eingesetzt werden, wie zum Beispiel

  • In der Begleitung von Schwangeren (unter anderem bei frühzeitige Wehen)

  • Bei Frühgeborenen
  • Um Kindern eine Inkarnationshilfe zu geben
  • Bei Entwicklungshemmnissen und -störungen

  • zur Sprachanbahnung
  • In der Pubertät bei Essstörungen sowie bei anderen Krisen der Jugendzeit

  • In der Palliativ Care

  • In der Sterbebegleitung
  • Zur Verarbeitung von Trauer

  • Bei Schlafstörungen

  • Bei Schmerzzuständen

  • Bei Traumatischen Erfahrungen

  • Bei Störungen des Sozialverhaltens

  • Bei Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Bei Herz- und Kreislauferkrankungen

  • Bei entzündlichen Erkrankungen

  • Bei Atemwegserkrankungen
  • Bei Verdauungsproblemen und Erkrankungen der Verdauungsorgane

  • Bei organischen Beschwerden durch Funktionsstörungen von Niere, Leber, Lunge, Milz oder Galle sowie den Erkrankungen dieser Organe
  • Bei Karzinombildungen

  • Bei chronischen Beschwerden

  • Bei Erschöpfung und in der Rekonvaleszenz

  • Bei Rheumatischen Erkrankungen

  • Bei Angststörungen, Zwangserkrankungen, Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen

  • Bei dementiellen Erkrankungen
  • Bei Erkrankungen des Nervensystems



    • In der Heilpädagogik

    • Bei tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, z.B. aus dem autistischen Formenkreis

    • Bei epileptischen Erkrankungen

    • Bei genetisch bedingten Erkrankungen

    • Bei Schwerhörigkeit und Taubheit

    • Bei konstitutionell bedingten Störungen (neurasthenische oder hysterische Phänomene)



  • Kontraindikationen
  • Akute Psychose
  • Hoch fieberhafte Erkrankungen