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ICAAT Malen

Fachbereich Therapeutisches Malen und Zeichnen

Therapeutisches Malen und Zeichnen ist eine Behandlungsmethode innerhalb der Anthroposophischen Medizin. Sie dient dem Entwicklungsweg zu menschlicher Freiheit und Gesundung durch die Ansprache und Beeindruckbarkeit der Seelenkräfte Denken, Fühlen und Wollen.

Angeregt werden sollen ein größtmögliches Maß an Selbstregulation, die Aktivierung von Ressourcen und Gewinn an Freiheit im Alltag

Der therapeutische Ansatz ist handlungs- und erlebnisorientiert im Rahmen der bildenden Kunst. Durch imaginative Anregungen, sinnliche Eindrücke, aufkommende Gefühle und Gedanken entstehen Bilder in Form von Malereien, Zeichnungen oder Collagen.

Anthroposophische Kunsttherapie stellt sich ganz auf die Bedürfnisse des Patienten/Klienten ein. Diagnostik und Interventionen orientieren sich an der Menschenkunde Rudolf Steiners und der Phänomenologie Goethes. Körper, Biografie, Seele und Geist des gesunden oder erkrankten Menschen werden anerkannt und einbezogen.

So kann seelische Wirkung durch künstlerisches Tun bis in die Physiologie hinein wirken: Erstarrtes wird beweglicher und lebendiger, Chaotisches wird eingebunden und beruhigt. Da der künstlerische Prozess mit menschlichen Lebensprozessen wie Suchen, Experimentieren, Wagen, Umwerfen, Neuanfang, Verinnerlichen, Wahrnehmen und Tätigsein einhergeht, wirkt er gesundheitsfördernd, unterstützend und oft als Initialzündung für Weiteres.

Mal- und Zeichentherapie wird stationär und ambulant angeboten in kunsttherapeutischen Ateliers, Therapeutika, Kliniken, Rehabilitationszentren, heil- und sonderpädagogischen Institutionen, sozialtherapeutischen Einrichtungen, im Strafvollzug sowie im Rahmen internationaler Notfall-Katastrophenhilfe-Einsätze.

In einigen europäischen Ländern übernehmen Krankenkassen die Kosten ärztlich verordneter Kunsttherapie. Die nationalen Berufsverbände und Therapeuten geben gerne Auskunft.

Bitte kontaktieren Sie den Berufsverband Ihres Landes, um Therapeuten und Therapeutinnen in Ihrer Nähe zu finden.

 

Wirksamkeit

Jeder wurde schon einmal von einem Bild berührt oder verwirrt, wurde erheitert und aufgeheitert, schwelgte sinnlich in Farben, wurde erschüttert oder einfach nur distanziert zurückgelassen. Bilder weiten die Seele und lassen Atem schöpfen oder sie beunruhigen und bedrücken im Brustbereich oder Bauch.
Der Gestaltungsprozess beeinflusst den Patienten:

Geometrisches und gegenständlich-perspektivisches Zeichnen weckt Struktur- und Formkräfte. Rhythmisches Formenzeichnen beeinflusst direkt Herzschlag und Atmung. Werden wässrige Aquarellfarben im Malgrund verankert - mit rhythmischen Pinselstrichen und Schicht für Schicht -, bilden sich die Formen allmählich und die Farben erscheinen transparent. Folgt die Seele, bleibt sie im Fluss zwischen Gestaltung und Gestalt, Bewegung und Ruhe; und sie kann lichte Farbigkeit genießen. Weiche duftige Pastelle regen zum Träumen an und durchwärmen im langsamen Malprozess.

Beim Zeichnen oder Malen werden der Kopf und die Gedanken frei, entlastet oder aufgefordert, sich zu konzentrieren und zu strukturieren. Gefühle finden Ausdruck oder werden geweckt am Farberleben. Handlungen werden gezielt und überlegt oder spontan und frisch ausgeführt.
Immer steht die experimentelle, suchende, entdeckende und forschende Haltung des Malenden oder Zeichnenden im Vordergrund, um zum Beispiel Gewohnheiten, die die eigene Entwicklung stören, zu überwinden, zu verwandeln oder Neues zu entdecken und zu entfalten.

Es gilt dabei, selbst aktiv  zu sein, einzugreifen, zu wandeln, zu ordnen, auszuprobieren, zu wagen, alles umzuwerfen oder neu zu beginnen. Oder auszuruhen, anzukommen, bei sich zu sein und zu genießen.

Die Wirkungen dieser in sich unterschiedlichen Therapieformen beruhen auf jahrzehntelanger Empirie, zu der in den letzten Jahren die akademische Forschung Bestätigung und Differenzierung brachte (siehe Menüpunkt Forschung). Grundlegend ist dabei die Erkenntnis, dass die Prozesse und Gesetze der durch den Menschen geschaffenen Kunst (wie Architektur, Skulptur, Malerei, Musik, Gesang, Dichtung) auf ihn zurückwirken, da er aus ähnlichen Prozessen und Gesetzen erschaffen ist: wie aufrichtender Knochenbau, rhythmisch tätiger Organismus, farbennahe Seelenstimmungen, musikalische Objektivität und geistvoller Selbstausdruck.

Anwendungsbeispiele

Werden malerische und zeichnerische Übungen gezielt eingesetzt, kann ein einseitig gewordenes Seele-Körper-Gefüge beeinflusst werden. Hier können künstlerische Prozesse, Farben und Formen dann in Seele und Körper wirken: Erstarrtes wird beweglicher und lebendiger, Chaotisches wird eingebunden und beruhigt.

Wecken, Strukturieren, Konzentrieren, Sicherheit und klare Regeln geben durch
Gegenständliches Zeichnen, Gemälde kopieren, freihändig Geometrie zeichnen, Malen nach der Farbenlehre, Aquarell schichten

Durchlichten, Atmen, Rhythmisieren durch
Tages-und Jahresläufe malen, Wolkenbilder, Komplementärübungen, Hell-Dunkel-Verläufe, Rhythmisches Formenzeichnen, Schraffur

Eintauchen und Impulsieren, Durchwärmen durch
Ungegenständliche großformatige Malerei, ständig sich wandelnde, aufeinander bezogene Formen: Metamorphoseformen, Märchenbilder

Entspannen und Beruhigen, Durchwärmen durch
Träumendes Arbeiten, langsam Farbe bis in die Form hinein verdichten, Strömungsformen mit geschlossenen Augen zeichnen, Schichten mit Pflanzenfarben, ruhige Pinselführung
 

Indikationen

Die Erfahrung von Ausdrucksmöglichkeit und Gestaltbarkeit erleichtert und stärkt häufig im Umgang mit biografischen Krisen und Krankheit.

Indikationen und Kontraindikationen leiten sich, neben der klinischen oder psychotherapeutischen Diagnostik, von der kunsttherapeutischen Diagnostik ab. Für die Durchführung der Mal- oder Zeichentherapie ist die Bereitschaft zum künstlerischen Gestalten Voraussetzung. Ist der Mensch zu schwach zum eigenen aktiven Tun, kann der/die Kunsttherapeut/in für ihn malen und zeichnen oder eine Bildbetrachtung anregen (rezeptive Mal- oder Zeichentherapie). Bei klinisch diagnostizierter akuter Psychose wird im Einzelfall entschieden, ob strukturierendes Formenzeichnen hilfreich ist. Bei akuten oder posttraumatischen Belastungsstörungen bietet sich die Behandlung bei einer(m) ausgebildeten Traumakunsttherapeutin(en) an.

Positive Erfahrungen liegen für folgende Bereiche vor:

  • Psychische Erkrankungen
  • Neurologische und hirnorganische Erkrankungen
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Körperliche Erkrankungen

Durch die drei- oder viergliedrige Bildbefundung können Bezüge zum körperlich-vitalen und seelisch-geistigen Ausdruck des Menschen gesehen und für die Therapie berücksichtigt werden.

Ausbildung

Die Ausbildung zum/zur Anthroposophischen Kunsttherpeuten(in) erfolgt berufsbegleitend oder als Vollzeitstudium an privaten oder staatlichen Universitäten, Fachhochschulen und Ausbildungsstätten mit verschiedenen Ansätzen. In der Schweiz ist der Berufstitel durch eine staatlich geregelte Höhere Fachprüfung rechtlich geschützt; In den Ländern der EU sind die Möglichkeiten der Berufsausübung unterschiedlich geregelt. Es werden z. B. in Deutschland und den Niederlanden neben privatrechtlichen Ausbildungen Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten. Weltweit entstehen und arbeiten nach wie vor die meisten Ausbildungsstätten auf privatrechtlicher Grundlage. Sie können die Akkreditierung der Medizinischen Sektion der freien Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach/CH über die iARTe (s.o.) erlangen.

Spezifische Methoden des Therapeutischen Malens und Zeichnens

Einige zeichnerische oder malerische Möglichkeiten wurden intensiv von Kunsttherapeutinnen und Kunsttherapeuten durch jahrelange praktische Erfahrung konkretisiert und als eigene Methode etabliert.

Eine davon ist das Formenzeichnen

In seiner therapeutischen Wirkung wurde diese unter anderem von Elke Frieling erforscht. Das so genannte Formenzeichnen nach Elke Frieling®umfasst ein bestimmtes Methodenspektrum des Formenzeichnens und wurde durch klinische Erfahrung und Forschung gründlich dokumentiert. Nähere Informationen dazu

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